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Wer bin ich – ohne Handy?

Eine Auszeit mit Folgen!

Am Wochenende habe ich etwas Neues versucht, ich habe auf mein Handy und Tablet  und damit auf den Zugang zur Welt verzichtet.

Ich gebe zu, es war einfach. Hätte ich jedoch so nicht vermutet. Da ich sonst doch recht oft am Handy/ Tablet bin um mal dies und jedes anzuschauen, mir Inspiration zu holen, bei Instagram zu schauen was die anderen machen…

Es war nicht nur einfach, es tat gut. Und ich hatte Langeweile. Große Langeweile, die ich sonst mit dem Griff zum Handy und dem Besuch diverser Seiten, sozialer Medien oder WhatsApp unterdrückt habe.

Dafür habe ich am Wochenende gelesen, viel gelesen. Mit den Kindern ein Spiel gespielt, aus dem Fenster geschaut. Ich war mit dem Hund draußen. Und zusätzlich nochmal mit den Kindern. Ich habe mit meinem Mann geredet, immer wieder das Buch zur Seite gelegt und gestaunt, dass es doch noch so viel vom Wochenende übrig ist.

Gefühlt war dieses Wochenende viel länger als alle anderen. Und mir geht es heute tatsächlich besser, psychisch und physisch.

Aber warum?

Wer bin ich, wenn ich mich nicht vergleichen kann?

Seien wir mal ehrlich. Wir alle schauen uns gern schöne Bilder an und träumen davon, wie es jetzt wäre am Strand zu sitzen, die Füße im warmen Sand und einen Cocktail zu trinken. Am Horizont geht die Sonne unter und wir sind relaxt und entspannt.

Und wenn wir noch ehrlicher sind, sind wir auch neidisch. Neidisch auf all die schönen Dinge, die Andere erleben.

Wir vergleichen unser – oft langweiliges und eintöniges Leben, welches vom Alltag beherrscht wird – mit all den tollen Sachen, die die anderen erleben. Lachen, Freunde treffen, Lagerfeuer am Strand, Wandertour in die Berge mit tollem Rundumblick.

Klar wissen wir, dass die Bilder bearbeitet sind. Klar wissen wir, dass auch bei anderen nicht immer alles so schick ist wie auf den Bildchen. Aber neidisch machen sie uns dennoch.

Warum? Weil wir uns unbewusst immer vergleichen! Es heißt nicht umsonst, dass das Gras in Nachbars Garten grüner wächst.

(Ist bei uns zwar tatsächlich so, liegt aber wahrscheinlich daran, dass die Nachbarn keine Kinder mehr haben, die über den Rasen toben.)

Wenn wir den Blick immer nur darauf richten, was wir nicht haben, entgeht uns, was wir haben. Wenn wir immer nur denken: Oh, ich wäre auch so gern am Strand jetzt. Wie gern würde ich jetzt einen so tollen Sonnenuntergang sehen! Dann entgehen uns die ersten Krokusse die blühen und den Frühling ankündigen. Den tollen Sonnenuntergang bei uns vor der Tür nehmen wir ebenfalls nicht wahr, weil unser Blick durch das Handy oder Tablet versperrt ist.

Von Regenbögen und Kopf freipusten lassen

Ich liebe das Meer. Ich liebe die Sonne und den salzigen Geruch. Das Rauschen der Wellen beruhigt meine Seele und wenn ich die Füße in den Sand stecke bin ich zufrieden.

Wäre das aber auch so, wenn ich es IMMER hätte?

Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Mir fällt das besonders dann auf, wenn wir Besuch aus der Stadt bekommen und dieser sagt: Mensch, es ist so schön hier. So viel grün, den Wald vor der Tür, die frische Luft. Es ist so ruhig. Herrlich. Habt ihr ein Glück!

Bitte was? Wir? Hier? Im Kaff?

Natürlich, wir haben hier frische Landluft, so frisch dass wir regelmäßig die Fenster schließen müssen vor lauter Gülle-Gestank ähm –Geruch. Wir haben die Felder und den Wald vor der Tür, aber gegen eine aufregende Stadt oder das Meer kommt der ja mal gar nicht an. Und die Ruhe. Klar ist es ruhig, so ruhig dass Du am Wochenende keinen triffst. Es ist sterbenslangweilig.

Das kuriose ist, ich habe mir das alles als Kind immer gewünscht. Aufgewachsen in der Großstadt war mein Traum auf dem Land zu leben, direkt am Feld. Durch die Wiesen und Wälder streifen zu können, den Wind zu spüren, Ruhe, Tiere und Landluft.

Merkst Du was? Ich lebe den Traum, den ich als Kind hatte. Aber ich bin dennoch nicht zufrieden. Weil wir immer das wollen, was wir eben nicht haben.

Das ist mir gestern klar geworden, so ohne Ablenkung hatte ich den Kopf frei zum Nachdenken. Als wir – mit wirklich starkem Wind von der Seite – so über die Felder und Wiesen gelaufen sind und dir frische Luft eingeatmet haben, hat es bei mir gedanklich etwas in Gang gesetzt. Wir saßen am Himmelreich (von hier kann man direkt über das Maurener Tal blicken), die Kinder sind den steilen Berg runtergerannt, lachend und prustend wer sich wohl mehr traut. Auf dem Rückweg kam der Regen….und die Sonne. Auf einmal haben wir den schönsten Regenbogen unseres Lebens gesehen.

Er war so klar, dass wir alle Farben einzeln wahrnehmen konnten, sogar am Boden hat er gestrahlt. Und in diesem Moment wusste ich es!

Es ist egal, wo ich lebe, ich werde immer davon träumen woanders zu sein, wenn ich mich von bearbeiteten Bildern blenden lasse. Mein Leben ist Alltag, oft hektisch, manchmal nervig. Aber so schlecht haben wir es gar nicht.  Ganz im Gegenteil.

Das einzige was zu meinem Kindheitstraum noch fehlt ist der Bauernhof mit den Tieren. Aber realistisch gesehen wäre dann kein Urlaub mehr möglich.

Endlich Frühling

Schaue auf das was Du hast, sei dankbar!

Mach Dir bewusst was Du hast und sei dankbar dafür. Das geht leichter ohne den Vergleich durch die sozialen Medien, die Werbung oder Hochglanzzeitschiften.

Genieße! Jeden einzelnen Tag. Sei Dir bewusst, dein Leben ist endlich. Natürlich kannst Du immer auf den nächsten Urlaub oder das nächste Wochenende warten, aber glücklich wirst Du damit nicht.

Überlege Dir drei Dinge im Leben, die Dir wirklich wichtig sind und dann schau, dass Du diese Dinge jeden Tag genießt. Bei mir ist es meine Familie (den Hund mit eigeschlossen), die Natur und gute Bücher. Wenn ich diese drei Dinge jeden Tag genieße, habe ich immer das Gefühl es war ein guter Tag.

Mama, Du sahst früher so glücklich aus!

Ich

Warum habe ich beschlossen am Wochenende auf das Handy/ Tablet zu verzichten?
Wir haben am Freitag Fotos angeschaut, gut 10 Jahre alt. Auf einmal sagte der Junior: „Mama, Du siehst auf den Fotos so glücklich aus.“
Mir schossen sofort die Tränen in die Augen. Ja, verdammt, er hatte recht damit und den Finger mitten in die Wunde gelegt. Und dann fing ich an zu überlegen, was war anders damals? Ich war glücklicher! Was ist passiert? Wir haben es heute viel einfacher als vor 10 Jahren.

Und dann fiel es mir auf: zu diesem Zeitpunkt war ich nicht viel online, mal ab und zu um ein Rezept zu suchen, aber mehr nicht. Ich habe mehr im hier und jetzt gelebt. Ich habe mich seltener verglichen und kaum danach geschaut was andere machen/ haben/ sind.

Darum habe ich beschlossen mir regelmäßig eine Online-Auszeit zu gönnen, um die Wochenenden wieder länger werden zu lassen, die tägliche Dosis soziale Netzwerke auf ein Minimum zu beschränken und dafür lieber mit den Kindern zu spielen. Ich möchte wieder Zeit haben durch die Felder und Wiesen zu streifen, in den Wald zu gehen um tief einzuatmen und vom Sommerurlaub zu träumen, wenn ich die Füße wieder in den Sand stecke und das Rauschen der Wellen höre.

Ich bin mir sicher, dass dies ein Weg ist zu mehr Glück, Zufriedenheit und Ruhe.

Hast Du schon mal eine Online-Auszeit gehabt? Wie ging es Dir damit? Oder bist Du generell wenig am Handy/ Tablet/ PC?

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