gerettetes Essen

Lebensmittelverschwendung geht uns alle an. Jeder Deutsche wirft pro Jahr 55 kg Lebensmittel in den Müll. Die Hälfte davon ist noch essbar. Aber nicht nur wir Endverbraucher, auch Restaurant und Imbisse, Supermärkte und Hersteller werfen essbare Lebensmittel auf den Müll. Dabei kann man Lebensmittelreste super verwerten! Hier findest Du unsere besten Tipps.

Lebensmittel sind Ressourcen. Diese wurden angebaut. Wir haben Saatgut eingesetzt. Tiere wurden gefüttert und getötet. Menschen haben ihre Arbeitskraft eingesetzt. Und dann? Landen viele Lebensmittel auf dem Müll. Warum? Weil sie falsch gelagert werden. Weil die Kühlkette unterbrochen wurde. Weil das Verfallsdatum überschritten ist. Oder weil wir einfach keine Lust mehr auf dieses Lebensmittel haben.

Menschen, die noch essbare Lebensmittel aus Müllcontainern von Supermärkten retten, werden festgenommen und veruteilt.

In diesem Blogartikel gehe ich auf verschiedene Aspekte ein. Von der Planung, nicht zu viel zu kaufen, über die richtige Lagerung der Lebensmittel bis hin zu Tipps, was man mit Resten machen kann, haben wir versucht jeden Bereich abzudecken. Hast Du Fragen oder möchtest Du bestimmte Dinge wissen? Hinterlass einen Kommentar oder schreib mir ein Mail.

1. Essensplan und Einkaufzettel

Kennst Du das? Du gehst nach der Arbeit oder der Uni noch schnell einkaufen, weil Du nicht so recht weisst, was Du essen sollst. Mit knurrendem Magen stehst Du im Supermarkt. Es muss schnell gehen, Du hast nur wenig Zeit. Was landet in Deinem Einkaufswagen? Alles mögliche. Vor allem fettreiche oder süße Nahrungsmittel, Fertigessen und oft zu viel.

Dem kannst Du entgegen wirken, wenn Du Dir vorher grob überlegst, was Du in den kommen 3-7 Tagen essen möchtest. Wir machen einen Essensplan für 7 Tage. Dabei legen wir nicht zwingend fest, was wir wann essen, es ist mehr eine Liste, aus der wir uns dann aussuchen was wir an dem Tag essen. Das richtet sich dann vor allem nach dem Appetit und der Zeit, die wir zum Kochen haben.

Wenn Du Dir überlegt hast, was Du essen möchtest, schreibst Du Dir einen Einkaufszettel. Überleg Dir auch was Du frühstücken möchtest, ob Du Obst benötigst z.B. für Zwischenmahlzeiten oder ob Du Mittagessen für die Arbeit brauchst.

Iss eine Kleinigkeit bevor Du einkaufen gehst, so ist die Gefahr, dass zu viel oder das Falsche im Einkaufswagen landet geringer. Und damit ist das Risiko für Lebensmittelreste, die Du auf Grund falscher Planung übrig hast, ebenfalls geringer.

Tortilla mit Resten
Reste-Verwertung – ein wenig Tomatensosse, Gemüse vom Raclette und ein Tortilla. Lecker Abendessen.

2. Richtige Lagerung

Neben dem gezielten einkaufen – also nur Dinge die ich in einem bestimmten Zeitraum auch sicher aufbrauchen kann, ohne das sie schlecht werden – spielt die richtige Lagerung von Lebensmitteln eine Rolle. Tomaten gehören nicht in den Kühlschrank, da das Aroma verloren geht. Äpfel sollte man separat lagern, sie geben Ethylen ab, ein Pflanzenhormon. Dieses lässt andere Früchte schneller reifen oder faulen.

Auch im Kühlschrank gehören die Lebensmittel in bestimmte Zonen.

Trockenware wie Nudeln, Reis oder Hülsenfrüchte kann man praktisch ewig lagern, ohne dass diese verderben.

3. Sinnesorgane einsetzen

Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist ein Datum, bis zu welchem das Lebensmittel auf jeden Fall haltbar ist. Diese Daten verwirren viele Menschen. Denn oft sind die Lebensmittel noch Wochen oder Monate darüberhinaus haltbar. Wir haben gestern einen Joghurt gegessen, dessen MHD seit 3,5 Monaten überschritten war. Wir haben diesen aus einer Foodsharing-Abholung. Er war noch gut.

Wir haben unsere Sinne eingesetzt, statt auf das MHD zu schauen.

Sieht er noch gut aus? Riecht er normal? Schmeckt er gut? Kein Schimmel? Dann guten Appetit. Unsere Sinne verraten uns mehr als es das MHD könnte. Und immer dran denken, es heisst „mindestens haltbar bis“ und nicht „sicher tödlich ab!“.

4. Reste-Essen

Einen Tag die Woche planen wir als Reste-Essen-Tag ein. An diesem Tag kommen alle Reste, die wir noch im Kühlschrank haben auf den Tisch. Das ganze sieht dann oft wie ein kleines Buffet aus.

Reste Essen
Ein typischer Reste-Teller – Falafel, Kartoffeln, Paprika, Mozzarella und Feldsalat. Dazu eine schnelle Soße.

5. Einfrieren

Gern frieren wir Lebensmittelreste ein:

  • altbackenes Brot schneiden wir in Crouton-Größe und frieren es ein um später Croutons daraus zu machen für Salate oder Suppen
  • reife und überreife Bananen frieren wir ohne Schale ein für Smoothies, Smoothie-Bowls, Kuchen oder Shakes
  • Obst und Gemüse kann man gut einfrieren, einfach in mundgerechte Stücke schneiden
  • Essensreste kann man auch prima einfrieren. Wir kochen oft eine Portion mehr und friere diese ein. Einer von uns kann diese dann später noch essen oder mit auf Arbeit nehmen.
  • Kuchen und Brot backen wir gern am Wochenende in der doppelten Menge und frieren die Hälfte portionsweise ein. Unter der Woche dann auftauen oder toasten.

6. Lebensmittelreste nach Kategorien

Nun kommen wir aber dazu, was wir aus Resten machen können.

Obst und Gemüse

Obst kann prima in Smoothies verarbeitet werden, auch wenn es schon nicht mehr ganz frisch ist. Das Obst waschen bzw. schälen und entkernen und zusammen mit Wasser/ Saft oder Pflanzenmilch in den Mixer. Auch Gemüse und Salat können dazu gemischt werden.

Gemüse

Wenn Gemüse übrig bleibt, kommt es auf die Menge an. Bei kleinen Mengen eignen sich Bowls oder Salate um das Gemüse zu verarbeiten. Gern mische ich Gemüse, welches nach dem Kochen weich wird, in Kartoffelbrei. Auch eine gute Methode sind Suppen. Hier einfach des Gemüse mitkochen oder gekochtes Gemüse kurz vor Ende der Garzeit dazu geben.

Sättigungsbeilage (ich liebe das Wort)!

Reste von Kartoffeln, Reis oder Nudeln können mit einer schnellen Soße gut zu einer kleinen Mahlzeit kombiniert werden. Dafür 1 EL (vegane) Butter in der Pfanne schmelzen, 1 TL Mehl dazu und anschwitzen. Nun Wasser/ Brühe/ Milch/ Pflanzenmilch – also eine Flüssigkeit – dazu und einmal aufkochen. Anschließend kommen die Gewürze dazu. Ich mache gern Sojasosse, Senf oder Hefeflocken an die Soße, dies gibt Geschmack. Aber auch Nussmus, Tomatenmark oder übrig gebliebene Grillsossen eignen sich dafür.

Hasenbrot

Kennst Du Hasenbrot? Das ist das Brot, welches man für die Schule, Uni oder Arbeit macht und dort nicht isst. Wenn man es abends mit heim bringt, ist es ganz trocken. Früher wurde es weggeworfen. Wir haben jedoch inzwischen Verwendung dafür.

In unserem Haushalt ist vor ein paar Jahren ein Kontaktgrill eingezogen. Wenn wir nun Hasenbrot übrig haben, belegen wir es mit Käse und toasten alles zusammen im Kontaktgrill auf. Das Brot schmeckt super.

Bei uns zu Hause gibt es da einen Spruch: „Kennst Du die drei magischen Worte?“ – „Mit Käse überbacken!“

Hülsenfrüchte

Wir haben Unmengen an getrockneten Hülsenfrüchten im Schrank. Jede Woche weichen wir diese ein und kochen einen Vorrat für die ganze Woche. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass welche übrig bleiben.

Aus bereits gekochten Hülsenfrüchten kann man prima Aufstriche machen oder gebratene Bällchen. Dafür die Hülsenfrüchte mit Haferflocken/ Semmelbröseln/ Reis und einem „Klebemittel“ (Ei, Chiasamen mit Wasser, Stärke, Kichererbsenmehl o.ä.) mischen, Gewürze dazu und in der Pfanne anbraten. Schmeckt super!

7. geöffnete Lebensmittelverpackungen

Wir sehen im Laden ein Lebensmittel, welches wir unbedingt ausprobieren möchten. Doch so richtig gut schmeckt es uns nicht.

Wir haben für ein ausgefallenes Rezept eine bestimmte Zutat benötigt und nun? Steht es rum.

Für solche Lebensmittelreste gibt es folgende Optionen:

  • Brauch es auf!
    Nur weil Dir das Lebensmittel in einem Gericht nicht geschmeckt hat, heisst das nicht, dass es in allen nicht schmeckt. Quinoa mag ich als Beilage gar nicht gern, aber als gebratene Bällchen liebe ich es.
    Such im Internet nach anderen Rezepten um Deine Lebensmittelreste zu verwerten.
  • Gib es weiter!
    Frag Freunde oder Bekannte ob sie es benötigen.
    Nutze Foodsharing. Über Foodsharing kann man selbst Essenskörbe einstellen. Auch geöffnete Lebensmittel. Diese können dann von anderen Menschen abgeholt werden.

Möchtest Du grundsätzlich nachhaltiger Leben? Dann kann ich dir den Minimalismus sehr ans Herz legen. Auf unserem Blog einfach frei leben erfährst Du mehr.

8. Nutze die Lebensmittel komplett

Bio-Gemüse musst Du nicht schälen. Wasche es gründlich ab. Oft stecken in der Schale viele Vitamine und Mineralstoffe. Und wusstest Du, dass Du aus Radieschengrün ein super leckeres Pesto zaubern kannst? Das gleiche geht mit frischem Möhrengrün und übrigens auch mit Giersch, das wächst im Garten und ist ein „Unkraut“.

Spargelenden und -schalen Suppe
Spargelenden und -schalen für eine Suppe auskochen. Spargelwasser kann man auch trinken, es entwässert den Körper.

Aus den Enden und Schalen vom Spargel kannst Du eine leckere Spargelsuppe kochen, so hast Du zwei Tage etwas zu essen. Aus dem Teil von Lauch, Karotten und anderem Gemüse, welches Du abschneidest oder abschälst kannst Du super Gemüsebrühe machen und dann einfrieren. Hast Du einen eigenen Kompost im Garten oder kennst Du eine Wurmkiste (für die Menschen ohne Garten)? Dann kannst Du die Reste von Obst und Gemüse weiter verwenden und Humus daraus herstellen. Es gibt so viele Möglichkeiten, die Reste weiterzuverwenden, wenn Du mehr wissen willst oder Tipps möchtest, schreib mich gern an oder hinterlasse mir einen Kommentar.

Radieschengrün-Pesto
Pesto aus Radieschengrün

Dies alles trägt dazu bei, dass wir die Lebensmittel wieder als das schätzen, was sie sind. Wertvolle Ressourcen.

9. Die Reste-Essen-Party

Derzeit sind Partys – auf Grund der Pandemie – nicht erlaubt. Aber für danach gibt es eine tolle Möglichkeit.

Trefft Euch zu einer Reste-Essen-Party. Jeder bringt die Lebensmittelreste mit, die zu Hause noch übrig sind und weg müssen und gemeinsam zaubert ihr daraus ein Essen für Euch alle. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Nutzt das Schwarm-Wissen und kocht drauf los. So setzt ihr Euch gegen Lebens

10. Tolle Websites!

Es gibt auch einige tolle Websites die man – neben einer Suchmaschine, in die man das Lebensmittel und den Zusatz „Rezept“ eingibt – nutzen kann um Lebensmittelreste zu verwerten. Ich nutze gern folgende:

Auf EatSmarter kann man Rezepte nach Zutaten suchen. Einfach die Zutaten eingeben, die noch zu Hause sind und schon hat man passende Rezepte.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat bereits 2012 die Website www.zugutfuerdietonne.de ins Leben gerufen. Tolle Infos und Aktionstage!

Ein Drittel der weltweiten Produktion geht verloren von der Herstellung über den Trasport, die Lagerung bis hin zum privaten Haushalt, wo es verdirbt. Gleichzeitig hungern viele Millionen Menschen auf dieser Welt. Wir empfinden das für sehr ungerecht und engagieren uns deshalb gegen Lebensmittelverschwendung.

Gibt es bei Dir Lebensmittelreste, die ewig übrig bleiben? Welches sind Deine größten Probleme beim Lebensmittel verwerten? Hast Du vielleicht gar keine Lebensmittel die verwertet werden müssen, weil Du hier sehr konsequent bist? Lass es mich gern wissen.