Minimalismus im Kinderzimmer – eine Anleitung!

Als Kind lebte ich den Minimalismus! Natürlich nicht bewusst.  Ich eine Babypuppe, mit der ich immer wieder hingebungsvoll gespielt habe. So eine mit weichem Bauch, die man nicht mit in die Wanne nehmen konnte. Mit Schlafaugen, die zuklappten, wenn ich sie hingelegt habe. Meine Mama hat mir dafür Puppensachen gestrickt – diese benutzt meine Tochter für Ihre Baby Born* heute immer noch. Weiterhin hatte ich ein paar Indianer* und Cowboys, aus Gummi. Die habe ich immer wieder zu einer Schlacht aufgestellt, umgestellt, neu geordnet. Mehr hatte ich nicht. Aber das war nicht schlimm, denn es gab ja noch draußen. Da wurden Stöcke wahlweise zu Schwertern, Hütten, Wanderstöcken oder Bogen umfunktioniert. Unkraut wurde zu Suppen verrührt oder als Salat angeordnet. Manchmal auch als Brei für Wunden verwendet. Wir haben alles, was wir gefunden haben, zu Spielzeug umfunktioniert.

Die Kinder heutzutage leben dagegen im Überfluss. Da stapeln sich die Spielzeuge im Regal, es gibt nicht nur ein Gesellschaftsspiel sondern 10. Es reicht nicht eine Puppe, es müssen mindestens zwei sein, ein Junge und ein Mädchen, dazu Töpfchen, Fahrrad und Fahrradhelm.

Und trotzdem kommt immer wieder: Mama, mir ist langweilig.

Sobald aber das Zimmer aufgeräumt, sortiert und ausgemistet ist, ist es mit der Langeweile vorbei. Dann wird eifrig gespielt, da hat man Dinge wieder gefunden, die man vergessen hat. Erinnert sich an Bücher, die man lesen wollte.

Ordnung im Außen schafft Ordnung im Innen und schon sprudeln neue Ideen. Nicht umsonst heisst es: Weniger ist mehr!

Minimalismus ist IN

Minimalismus ist in unserer Überflussgesellschaft modern.
Allein bei der bekannten Suchmaschine gibt es über 6 Millionen Aufrufe zum Thema Minimalismus. Und es werden täglich mehr.

Minimalisten versuchen durch einen bewussten Konsumverzicht ein einfacheres Leben zu führen, welches glücklicher macht. Der bewusste Verzicht auf ZU VIEL lässt das Leben leichter wirken. Weniger zu haben heisst auch, weniger Geld auszugeben für die Anschaffung, Pflege und den Erhalt von Dingen. Weniger haben heisst, weniger Zeit aufzuwenden für Dinge, die vielleicht doch nicht glücklich machen, wie die Vase von Tante Frieda, die man nicht leiden kann und nur stehen hat, damit Tante Frieda nicht traurig ist.

Minimalismus im Kinderzimmer

Wie ist das nun mit Kindern?

Kinder wollen mehr. Sie wollen das neuste Spielzeug, das neuste Videospiel, die neusten Turnschuhe.

Wie kann man da im Kinderzimmer minimalisieren?

Machen die Kinder das mit?

Aber die Verwandten schenken doch auch Dinge und immerhin hat das alles Geld gekostet!

Auch bei uns waren die Kinderzimmer voll. Mit Playmobil, Lego, Bausteinen, Forschersets, Bauernhöfen, Kinderküchen, Bällen, Büchern, Puppen…wir haben überlegt, gestapelt, verstaut und es wurde immer mehr.

Irgendwann fingen wir an einen Schlussstrich zu ziehen. Geschenke gab es nur noch zu Weihnachten, Geburtstag oder Kommunion. Haben die Verwandten oder Freunde uns gefragt, was sie den Kindern schenken können, war unsere Antwort oft: Zeit!

Zeit mit anderen Menschen zu verbringen ist meiner Ansicht nach das, was glücklich macht. Gemeinsame Unternehmungen, Ausflüge oder Spielezeit macht glücklicher als jedes Nintendo- oder Playstation-Spiel es je vermag.

Dennoch waren die Kinderzimmer voll! Also haben wir für uns folgenden Plan entwickelt, unterteilt in einzelne Bereiche. Er ist sicher nicht vollständig, aber uns hilft er enorm.

Kleidung

Beide Kinder verfügen lediglich über einen kleinen Kleiderschrank (Aneboda) vom Ikea, schlicht und einfach weil die Kinderzimmer nicht sehr groß sind. Aus diesem Grund gibt es auch nicht Mengen an Kleidung.

Wir sortieren jede Saison regelmäßig aus. Konsequent weg kommen Dinge die kaputt sind (Müll), zu klein sind (Spende an einen gemeinnützigen Kinderkleidungsladen) oder nicht angezogen werden (weil kratzen, nerven, nicht gefallen – ebenfalls Spende).

Wir räumen den Kleiderschrank komplett aus. Lieblingsteile kommen sofort auf die „wird behalten“ -Seite. Alles andere gehen wir einzeln durch.

Dazu stellen wir uns immer folgende Fragen:

  1. Gefällt es mir?
  2. Passt es?
  3. Ist es bequem oder kratzt, drückt, zwickt es irgendwo?

Wenn eine der drei Fragen mit „nein!“ beantwortet wird, kommt es weg.

Früher haben wir die zu klein gewordene Kinderkleidung und das Speilzeug auf Kindersachenflohmärkten verkauft. Wir hatten zum Teil Spaß am Verkaufen und einen netten Nachmittag. Heute nutzen wir unsere Zeit anders, daher spenden/ verschenken wir die Dinge.

Neue Kleidung

Geht etwas kaputt, wird es ersetzt. Meine Tochter hat einen Lieblingspulli in weiss mit Pferden drauf. Sie liebt ihn heiß und innig, aber er sieht wirklich nicht mehr schön aus. Verwaschen, kleine Knötchen, an den Ärmeln verfärbt. Ein richtiges Lieblingsteil eben. Ich habe entschieden es kommt weg. Dafür gab es einen neuen Pulli, ebenfalls mit Pferden, ganz kuschelig weich. Nun konnte sie den Pulli gehen lassen und ist ganz glücklich mit ihrem neuen.

Kommt ein neues Kleidungsstück ohne das ein anderes kaputt gegangen ist, muss etwas aus dem Schrank weg. Auch hier finden sich trotz regelmäßigem Aussortieren immer noch Dinge, die nicht oder nicht mehr (weil man vielleicht gehänselt wurde) angezogen werden.

Bücher und CDs

Wir liebe Bücher. Wir sind in drei Büchereien angemeldet und decken hier den Großteil unseres Lesebedarfs. Natürlich kommen trotzdem neue Bücher ins Haus, sei es als Geschenk, selbst gekauft oder als Fundstück. Ebenso sind Hörspiel-CDs bei uns immer mal wieder reichlich vorhanden.

Beides sortieren wir regelmäßig aus. Wie auch bei der Kleidung gehen wir die Bücher und CDs einzeln durch.

Folgende Fragen stellen wir uns bei jedem Buch oder jeder CD:

  1. Hast Du es gelesen? Hast du es angehört?
  2. Ja? Würdest Du es nochmal lesen oder anhören?
  3. Nein? Möchtest Du es noch lesen oder anhören?

Wie auch bei uns Erwachsenen gibt es hier Bücher, die die Kinder behalten wollen. Dazu zählen alle Harry Potter Bücher, die LTBs, Gregs Tagebücher*, das verrückte Baumhaus*…diese sollen sie auch behalten. Jedoch wird regelmäßig die Hälfte im Keller verstaut und nach einiger Zeit ausgewechselt. Ebenso verfahren wir mit den CDs.

Der Vorteil: Die Bücher werden nach einem halben Jahr im Keller wieder interessant. Probiert es mal aus, es klappt!

Bücher/ CDs die nicht mehr gelesen oder gehört werden (wollen) werden entweder verkauft oder verschenkt.

Wir verkaufen unsere Bücher und CDs (und DVDs) auf Momox und haben hier – im Bezug auf Abwicklung und Zahlung – die besten Erfahrungen gemacht.

Tipp: Bevor wir im Sommer in den Urlaub fahren, gibt es oft Bücherflohmärkte. Hier kaufen wir günstige Bücher oder CDs für die Fahrt und den Urlaub und stellen diese, nachdem wir sie gelesen haben, in die öffentlichen Bücherschränke. So haben wir nicht so viel Gepäck auf dem Rückweg und andere freuen sich darüber.

Kuscheltiere

Kuscheltiere trösten. Mit Kuscheltieren kann man spielen und sie sind einfach schön anzusehen. Sie sind weich und haben eine magische Anziehungskraft auf Kinder. Und sie werden von allen möglichen Leuten angeschleppt.

Wir haben bei uns zu Hause eine strenge Vorschrift. In die Zimmer wandern nicht mehr als 10 Kuscheltiere. Das hat verschiedene Gründe. Zum Einen ist unsere Tochter Allergikerin. Sie reagiert auf Hausstaubmilben. Damit sich die Allergie in Grenzen hält, müssen – neben anderen Vorkehrungen – die Kuscheltiere alle vier Wochen gewaschen oder eingefroren werden. Dürfte unsere Tochter alle Kuscheltiere behalten, die sie in den vergangenen fast 12 Jahren bekommen hat, wäre ich rund um die Uhr mit waschen und einfrieren beschäftigt. Zum Anderen würden unsere Kinderzimmer wahrscheinlich überquellen von Kuscheltieren.

Daher haben wir eine Grenze bei 10 Kuscheltieren gezogen. Es gibt mehr als 10 Kuscheltiere im Haus, allerdings wandert ein Teil in den Keller und darf dort Urlaub machen. Die Maximalzahl im Zimmer ist 10. Auch für unseren Sohn!

Der positive Nebeneffekt: Sie überlegen sich genau ob ein neues Kuscheltier angeschafft wird oder nicht, weil dann – natürlich- ein anderes weichen muss.

Überflüssige Kuscheltiere kommen als Spende in den Kinderladen, in die Gift-Box oder werden verschenkt. Denn Abnehmer dafür finden sich immer;)

Das Positive am Minimalismus ist, dass wir durchaus Geld sparen. Dadurch dass wir Spielzeuge und anderes nur begrenzt schenken. Wir verdienen Geld, indem wir Dinge verkaufen wenn wir sie nicht mehr benötigen. Das gesparte und verdiente Geld können wir dann wieder in tolle Ausflüge investieren wie unseren Familienausflug nach Tripsdrill.

Das war der erste Teil von „Minimalismus im Kinderzimmer“. Der zweite folgt in der kommenden Woche mit den Themen Spielzeug wie Lego und Playmobil, Bastelsachen, Stifte und Malbücher.

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